StadtNahVerkehr Görlitz

Chronik - Fahrzeuge
Deutschlands östlichster Stadtverkehr

Pferdebahn AEG Umbauwagen Wumag Lowa; Gotha; Reko Düwag Tatra


Beginn des Omnibus Ikarus Mercedes



Nachkriegszeit Bahnfilmstadt Pferdebahnwagen



Pferdebahn Seitenanfang

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Pferdebahn

Bereits 1872 war in Görlitz der Bau einer Straßenbahn im Gespräch, worauf 1881 der Vertragsabschluss besiegelt wurde. Zunächst entschied man sich für eine Pferdebahn mit 1435 mm Spurweite. Dazu standen 10 Pferdebahnwagen in Normalspur zur Verfügung. Am 25.Mai 1882 war es dann soweit, die Geburt der Görlitzer Straßenbahn war vollendet. Ein erster Abschnitt mit 3,2 Km Länge erstreckte sich vom Nikolaigraben über Jüdenring (Hugo-Keller-Straße) Kaisertrutz-Obermarkt-Postplatz bis Bahnhof. Bereits am 04.Juni 1882 folgte der Abschnitt vom Kaisertrutz über Klosterplatz-Mühlweg, Blockhausstraße bis Bahnhof. Weitere Strecken bereicherten zunehmend das Netz Der Bestand betrug bis zur Umstellung auf elektrischen Betrieb mit
12
Pferdebahnwagen sowie 58 Pferden. Für die Linienbezeichnungen wurden zum Zeitpunkt in römische Ziffern verwendet.
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AEG Seitenanfang

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AEG - Fahrzeuge

1897 begann bei der Görlitzer Straßenbahn der elektrische Betrieb, was den Kauf neuer Fahrzeuge nötig machte. Somit kam es zur Bestellung und Auslieferung von 26 Triebwagen bei der Görlitzer Waggonfabrik Lüders (AEG). 1899 folgten ihnen noch einmal weitere vier Wagen, wo der Bestand auf 30 Fahrzeuge wuchs. Eingesetzt wurden AEG-TW auch bis 1925 mit BW, welche aus umgebauten ehemaligen Pferdebahnwagen stammen. Ihre Einsatzzeit seit 1899 bezog sich bis erste WUMAG-Fahrzeuge ab 1925 die AEG-Wagen nach und nach ersetzten. 15 Fahrzeuge bekamen eine Neuaufarbeitung in der Werkstatt und waren fanden teilweise noch eine neue Einsatzzeit als Beiwagen (hinter WUMAG-TW) oder auch als ATW. Auch Gartenbesitzer kauften abgestellte Fahrzeuge um diese noch als Laube oder Lagerbox zu verwenden. Im Zusammenhang mit der 1905 stattfindenden Niederschlesischen Gewerbe- und Industrieausstellung gelangten noch einmal weitere Fahrzeuge nach Görlitz. Zwei "Herbrand-TW" der es Hoerder Kreisbahn sowievier "Bromberger" Triebwagen bereicherten den Fuhrpark. Die Bromberger TW waren 1897 für die Bromberger Straßenbahn gebaut, verstärkten zunächst den Linienverkehr während der Ausstellungszeit und blieben letzlich im Bestand der Görlitzer Straßenbahn. Einer der Fahrzeuge wurde nach einer Zeit als Abrbeitstriebwagen zum historischen Wagen.
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UMBAU-TW Seitenanfang

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Umbau - Fahrzeuge

Obwohl fabrikneue TW des Typs "WUMAG" vorhanden waren, war der Bedarf älteren Wagen zu erhalten und weiter einzusetzen, unumgänglich. 1928-1929 baute die Werkstatt 15 Fahrzeuge der AEG-Serie um und glich sie weitestgehend an die WUMAG-Wagen an. Die veränderte Anordnung der Fenster wirkte unförmig und brachten diesen Fahrzeugen damit den Namen "Puppenstube" ein. Diese 15 Triebfahrzeuge gelangten bis 1964 zum Einsatz. Aus dieser Serie wurden 5 Wagen in den Jahren 1938-1944 in Beiwagen umgebaut, welche bis 1957 im Einsatz standen.
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Wumag Seitenanfang

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Wumag - Fahrzeuge

Im Jahre 2010 feierte der bei den Görlitzern unter dem Namen WUMAG bekannte Triebwagen vom Typ 26/28 sein 85 jähriges Jubiläum. Auf Grund der zwingenden Erneuerung wurden bei der WUMAG (Waggon- und Maschinenbau AG) Görlitz zunächst drei dieser Fahrzeuge bestellt. Ausgeliefert wurde als Fahrzeug der Tw 35II, welcher in den letzten Monaten des Jahres 1925 Versuchsfahrten durchführte. Im Juanuar 1926 erfolgte dann der Einsatz aller drei Fahrzeuge (Tw 33II - 35II). Unmittelbar danach wurden drei weitere Wagen gleicher Bauart bestellt und bis Ende 1926 unter den Nummern 36II, 37 und 38 in Betrieb genommen. 1927 lieferte die WUMAG weitere Fahrzeuge mit den Nummern 28II - 32II und im September 1928 die Wagen 23II - 27II an die Görlitzer Straßenbahn.

Die großen Wagen, wie sie in Görlitz oft genannt wurden, bewährten sich auf Anhieb und waren bereits nach kurzer Zeit auf allen Linien im Einsatz. Mitte der dreißiger Jahre traten veränderte Vorschriften für den Einsatz von Straßenbahnen im Personenverkehr in Kraft. Diese wurde bei den WUMAG-Triebwagen im Jahr 1934 mit dem Einbau von Außenschiebetüren, Richtungsanzeigern sowie Mittelscheinwerfern unterhalb des mittleren Stirnfensters umgesetzt. In dieser Form waren die WUMAG - Wagen mit geringfügigen Änderungen bis zu Ihrer Aussonderung im Einsatz. Dazu zählten auch die seitdem auf dem Dach montierte Nummernlaterne und die Albertkupplungen, sowie der Auffahrschutz an den Stoßstangen. Nach 1946 wurden die Rollenstromabnehmer durch AEG - Scherenstromabnehmer ersetzt.

1957 und 1963 wurde in der Werkstatt der Görlitzer Straßenbahn je ein WUMAG -Triebwagen modernisiert und dabei im Perronbereich den später gebauten Einheitstriebwagen angeglichen. Es Handelt sich um Tw 34II und den bei einem Unfall 1963 schwer beschädigten Tw 33II Die zu Beginn der sechziger Jahre vorgenommenen technischen Veränderungen an den übrigen Fahrzeugen veränderten das äußere Erscheinungsbild nicht. Lediglich die 1968 angebrachten Wartburgleuchten taten dies. Ab 1963 begann der allmähliche Rückzug der WUMAG-Wagen aus dem Personenverkehr. Wie wichtig diese Fahrzeuge aber damals noch waren, beweist die Tatsache, dass sich dieser Rückzug bis 1979 noch hinzog und es sich anfänglich meist um Unfallfahrzeuge handelte. Ab 1967 ersetzten WUMAG -Triebwagen nach und nach als Arbeitswagen ältere Fahrzeuge. Für den Gleisbau als Zug- und Transportfahrzeuge umgebaut wurden die Tw 34I, 33II und 30II. Tw 29II wurde zum Hilfswagen. Tw 37 erhielt einen Schleif- und Sprühtriebwagen-Einbau.Tw 24II wurde 1975-76 zu einem zu einem Salzstreuwagen umgebaut und erhielt abweichend von den übrigen Arbeitswagen, welche billard- oder giftgrün lackiert waren, einen orangefarbenen Anstrich.

Der Nachwelt sind glücklicherweise zwei dieser formschönen Fahrzeuge erhalten geblieben. Tw 24II (mit Fahrgestell des Tw 35II) wurde 1984 nach Cottbus überführt und dort in ein Traditionsfahrzeug nach Cottbusser Vorbild umgebaut. Er bekam dort wieder die Nr. 24.
Der Tw 23II wurde 1979 sichergestellt und 1980 -1986 annähernd in den Bauzustand von 1938 zurückversetzt. Der Triebwagen ist voll betriebsfähig und wird bei Sonderfahrten eingesetzt.
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Lowa; Gotha; Reko Seitenanfang

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Lowa - Gotha - Reko - Fahrzeuge

Die Görlitzer kannten und kennen diese ähnlich aussehenden Fahrzeugtypen bereits seit den Mitfünfzigern des vergangenen Jahrhunderts. REKO-Wagen kamen allerdings erst Anfang der 70er hinzu. Neben der ex DDR fuhren Gothas auch im sozialistischen Ausland. Heute fahren GOTHA-Wagen sogar in Istanbul sowie in der Türkei! Woran erkannte man diese Wagen? Sie waren elfenbeinfarben mit grüner Bauchbinde, hatten 2 Achsen und quietschten laut bei der Fahrt durch die Kurven.
Beim Besuch Willi Stophs in Görlitz schmierte man die Schienen in den Kurven, damit der ehemalige Staatsratsvorsitzende der DDR im Hotel MONOPOL ruhig schlafen konnte, wenn die Wagen den Platz der Befreiung passierten (so sagt man)
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Nun mal im Ernst: Diese LOWA- / GOTHA- und REKO-WAGEN waren sogenannte Einheitsstraßenbahnwagen, eine echte Errungenschaft der ostdeutschen Schienenfahrzeugindustrie des 20. Jahrhunderts. Sie fuhren in großer Stückzahl durch die Städte der DDR. Ihre Vorzüge: Bauteile und Baugruppen waren genormt, was die Instandhaltung vereinfachte und die damit verbundenen Kosten senkte. Fahrzeuge konnten bei Bedarf überregional umgesetzt werden, ohne das Instandhaltungs-technologien geändert werden mussten. Das Personal kannte sich aus und musste nicht zusätzlich geschult werden. Der Unterschied der REKO-Wagen zu den LOWA- und GOTHA-Wagen bestand darin, dass sie keine Neubaufahrzeuge waren. Sie wurden teilweise auf Fahrgestellen der 20er Jahre neu aufgebaut. Entsprechend war auch ihr Fahrkomfort. Hart und holprig! Im Februar 1958 kam zusammen mit dem 1957 gebauten Triebwagen Nr. 4III der erste Beiwagen, umgangsprachlich Hänger oder Anhänger genannt, nach Görlitz. In den folgenden Jahren trafen weitere Neubaufahrzeuge und in anderen Städten nicht mehr benötigte, gebrauchte Wagen in Görlitz ein. Sie ersetzten nach und nach die gealterten Vorkriegswagen, so auch die in Görlitz hergestellten WUMAG-Wagen.Nach dem Bau der Wendeschleife Virchowstraße und dem Gleisdreieck Biesnitz-Landeskrone konnten 1967 drei, mittlerweile bei CKD in Prag hergestellte Neubau-Einrichtungstriebwagen, mit Türen, nur noch an der rechten Fahrzeugseite, in Betrieb genommen werden. Sie und ihre 4-türigen Geschwister bestimmten dann bis Anfang der 90er Jahre den Görlitzer Straßenbahnbetrieb.1989/90 kam die politische Wende. Die Fahrgastzahlen gingen, wie in den anderen ostdeutschen Städten, dramatisch zurück. Hinzu kam, dass in den Endachtzigern moderne Kurzgelenktriebwagen aus der damaligen CSSR beschafft wurden, die die Gothas ersetzen sollten. Somit konnten 1992 einige, der nicht mehr benötigten Gotha-Wagen nach Jena abgegeben werden. Die restlichen Fahrzeuge mussten, weil nicht mehr gebraucht, 1993 in Königshufen verschrottet werden. Ein später noch vorhandener Görlitzer GOTHA-WAGEN, der Triebwagen 8, wurde aus betriebswirtschaftlicher Sicht, leider nicht für künftige Generationen erhalten, sondern ebenfalls verschrottet. Heute kann man jedoch bei der Naumburger Straßenbahn einen original Görlitzer Gothaer, den ehemaligen Triebwagen Nr. 20, im Betriebseinsatz erleben!

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Tatra Seitenanfang

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  Tatra - KT4D - Fahrzeuge

Seit dem 07.10.1983 gibt es in Görlitz Tatrawagen vom Typ KT4D aus der tschechischen Produktion aus Prag. Am 07. Oktober 1983 wurde zum "Tag der Republik" nach einer Besichtigung für Fahrgäste am Postplatz die erste Fahrt Richtung Virchowstraße sowie zur Landeskrone im Linienverkehr gestartet und somit eine neue Generation von Fahrzeugen in Görlitz eingeleitet. Der Wagen mit der Nummer 001 blieb bis 1987 ein Einzelgänger und konnte anfangs nur auf der Linie 2 Landeskrone-Virchowstraße eingesetzt werden, da die Rauschwalder Strecke keine Wendeschleife besaß. Von Werk aus hatte der Wagen eine 2+1 Bestuhlung. Im Sommer 1987 folgten ihm die Triebwagen 002-007 die ausschliesslich auf der Linie 1 Königshufen - Haus der Jugend (heute Goethestrasse) sowie auf der Schnelllinie 4 Königshufen - Demianiplatz zum Einsatz kamen. Auf der Linie 1 fuhr meist ein Kurs Solo, teils fand man einen weiteren als Doppeltraktion im morgendlichen Berufsverkehr. Die im Berufsverkehr fahrende Linie 4 war meist als Doppeltraktion anzutreffen. Zunächst gab es zwischen 1985 und 1990 keine Tatra Einsätze auf den Strecken zur Landeskrone und Virchowstraße. Die Fahrzeuge unterschieden im Detail mit den eckigen Blink- und Bremsleuchten, die CKD ab 1986 einführte und der Havarieschalter rechts neben dem Fahrpult.Weitere vier fabrikneue Zugaenge verzeichnete die Anlieferung 1990, die bereits über ein provosorisch gelegtes Anschlußgleis der Reichsbahn am Bahnhof / Südausgang erfolgte, wobei die Wagen 001-007 über die Rauschwalder Straße abgeladen wurden. Mit Triebwagen 011 war durch die politische Wende 1990 nach 11 Stück der letzte fabrikneue Wagen von CKD in Görlitz angekommen.1992 folgten aus Erfurt fünf gebrauchte KT4D des Baujahres 1988 per Tieflader, die die Nummern 12-16 bekamen (mittlerweile wurden 001-011 in 1-11 umnummeriert). Im Detail gab es leichte Unterschiede, denn die Erfurter Wagen besaßen eine 1+1 Bestuhlung, die Wagen 1-11 eine 2+1 Bestuhlung. Dabei handelt es sich um die ex Erfurter 531; 532; 534; 535; 533 (Reihenfolge 312-316 in Görlitz).Erst mit der ab 1993 erfolgten Modernisierung, die in eigener Werkstatt statt fand, wurde dies angeglichen. Drei weitere gebrauchte, 1979 gebaute KT4D beschaffte man 1998 aus Cottbus. Nach der Anlieferung gab es zunächst Einsätze im Berufsverkehr sowie meist auf der Linie 2, bis 1999 diese Wagen zur Modernisierung nach Prag gingen. Im Detail unterscheiden sie sich etwas zu den anderen Fahrzeugen. Vorerst war ein Kuppeln der 317, 318, 319 nur untereinander möglich, jedoch seit Ende 2003 auch mit den anderen KT 4 individuell. In Cottbus fuhren die Wagen unter den Nummern 5; 10; 11. Bereits nach der Wende wurden alle bis dahin gelieferten Tatras mit einem Rückfahrschalter ausgerüstet, ab 1992 erprobte man vorerst Testweise die automatische Haltestellenansagen und damit der Einbau eines Ibis-Gerätes.1993-1996 begann die erste Modernisierung in eigener Werkstatt. Weiter Details: Rutschfester Boden, Farbgebung gelb-weiss, neue Sitze, Fahrscheinautomat hinter Fahrerkabine, automatische Rollenbänder vorn und seitlich kombiniert mit Linie und Ziel sowie am Heck mit Linie, sowie bereits ab 1992 Klappfenster anstelle der Schiebefenster, automatische Haltestellenansage. Bei Traktionsbetrieb erfolgte über der Kupplung das Verbinden eines Ibis-Kabel für Zielfilme und Haltestellenansage. Heute (seit ca. 2002) tragen die Tatras die Wagennummern 301-319, sind modernisiert und haben eine Choppersteuerung, die 1997/1998 in einer zweiten Modernisierungsstufe eingebaut wurde. Das Fahren und Bremsen wird seit dem durch einen Soll-Fahrtgeber geregelt, in dem eine Totmannsteuerung integriert ist. 1997 rüstete man die Wagen 6, 8, 10 (heute 306, 308, 310) mit einer zusätzlichen Bremsleuchte an der Front aus um ein Heck an Heck Betrieb zu ermöglichen, dem folgten später noch die 303 und 313. Heck an Heck Betrieb gab es 2003 einige Tage zwischen Bahnhof / Südausgang und Biesnitz / Landeskrone, wo die Wagen 306 und 310 baustellenbedingt in dieser Formation zum Einsatz gelangten. Natürlich konnte nur der in Fahrtrichtung fahrende Wagen Fahrgäste befördern. Gefahren wurde bei dieser Betriebsform mit beiden angelegten Stromabnehmern, generell fährt man mit dem des ersten Wagen.Aktuell verkehren in der Woche (außer Ferienzeit) Doppeltraktionen auf der Linie 3, abends sowie an Wochenenden Solo. Die Linie 2 fährt solo, in den vergangenen Jahren wurden in der Wintersaison teils Doppeltraktionen eingesetzt.
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Düwag Seitenanfang

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Düwag - Fahrzeuge

1994 wurde ein, 1995 zwei weitere gebrauchte Straßenbahnfahrzeuge des Types GT6 aus Mannheim in den Bestand der Görlitzer Straßenbahn genommen. Die Fahrzeuge erhielten vorerst die Nummern 17, 18, 19, wurden modernisiert und an die damaligen Farben gelb-weiß angeglichen.1998, mit der Übernahme drei gebrauchter KT4D-Wagen aus Cottbus, nummerierte man die GT6-Wagen in 20, 21 und 22 um.Die drei GT6 Fahrzeuge waren zwischen 1995 und 1999 im Einsatz, anfangs häufiger, zunehmend sporadischer. Mit der Abstellung spätestens 2000 verblieben die GT6 20 und 21 vorerst auf der Abstellanlage in Königshufen bis sie 2003 an der Wendeschleife Virchowstrasse verschrottet wurden.

Erhalten blieb Wagen 22, der 2000 zu einem Partywagen umgebaut wurde, dieser unter dem Namen "Hopfen-Express" mit einer schicken Grafik im Bestand ist.
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Beginn des Omnibus Seitenanfang

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Beginn des Busverkehrs

In der Geschichte der Görlitzer Straßenbahn spielten ab 1938 mit zunehmender Tendenz auch Kraftomnibusse eine Rolle, die in den sechziger bis achtziger Jahren im Innenstadtliniennetz die gleiche Bedeutung wie die Straßenbahn erlangen.
Die ersten in Görlitz eingesetzten Busse waren Fahrzeuge in der vom LKW-Bau abgeleiteten Rahmenbauweise mit vorgebautem Motor (Haubenbauart). In den vierziger Jahren kamen Busse in Trambusbauform auf, bei denen der Motor nicht mehr vor dem Fahrzeug angeordnet war, sondern neben dem Fahrersitz oder unter dem Fahrzeug. Haubenbusse gehörten bis zur Mitte der sechziger Jahre noch zum Straßenbild in Görlitz,

Trambusse der vierziger Jahre schieden etwa zeitgleich au dem Verkehr aus oder wurden mit neuen Karosserien versehen. Auch von den Büssing-Trambussen gab es stark vereinfachte Kriegsbauarten, die eine weite Verbreitung erlangten und auch in der Wehrmacht zum Einsatz kamen. Ihre Außenbeplankungen waren aus Presspappe. Die ersten von der Görlitzer Straßenbahn eingesetzten Busse waren relativ klein. Es handelte sich um zwei im Jahre 1939 gebaute Mercedes LO-2600 mit Käsbohrer-Aufbau. Bus Nummer 3 war bis 1962 im Einsatz und wurde dann nach Dresden abgegeben. 1948 wurden von Chemnitz zwei Büssing 4500T des Baujahres 1944 mit Behelfsaufbauten übernommen. Nach Aufarbeitung in der Straßenbahnwerkstatt erhielten diese Trambusse die Wagennummern 1 und 2 und waren seitdem im Linienverkehr, teilweise mit Anhänger eingesetzt.

Erste Nachkriegsfahrzeuge aus DDR-Produktion im Görlitzer Omnibuspark waren Busse vom Typ IFA H6 B/L und Anhänger vom Typ W701 welche vorwiegend im Berufs- und Gelegenheitsverkehr auch mit Anhänger (selten im Stadtverkehr) zum Einsatz kamen. Auch zwei 1969/70 in Betrieb genommene Busse vom Typ Jelcz 043E dienten diesem Zweck.
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Ikarus Seitenanfang

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Ikarus - Bus - Fahrzeuge

Auf den Görlitzer Stadtbuslinien beherrschten in den sechziger Jahren bis zum Sommerfahrplan 1978 Omnibusse vom Typ Ikarus 66 die Szene. Montags bis Freitags waren auf den Linien A und B vorwiegend zwei oder drei Stadtwagen dieses Typs mit den Nummern 11, 16,18,19 und 21,22 im Einsatz. Auf der Linie D war fast immer der Wagen mit der Nummer 17 anzutreffen. Der Überlandwagen Nummer 20 fuhr damals auf Linie C.

Nach wenigen Jahren des Einsatzes eines Übergangstyps mit Unterflurmotor und Luftfederung zwischen 1968 und 1974 (Ikarus 180 und 556) begann ab 1972 die Lieferung von Ikarusbussen in Baukastenform, die noch heute gebaut, aber seit 1990 nicht mehr in die ehemalige DDR geliefert werden (Ikarus 255 und 280). Von Ihnen kamen so viele Fahrzeuge zum Einsatz, dass sie bis zum Ende der siebziger Jahre fast alle Vorgängertypen abgelöst hatten.

Auch in Görlitz wurden die Ikarus 66 nach und nach von Bussen des Typs Ikarus 255 mit den Nummern 31-37 (Linienwagen) und 260 mit den Nummern 1-18 (Stadtwagen) abgelöst. Gelenkbusse wurden in der DDR ab 1968 eingesetzt. Von Ihnen gab es zwei Ikarus-Generationen, die beide sehr weite Verbreitung fanden. In Görlitz setzte der Kraftverkehr ab 1970 erstmals zwei Ikarus-Gelenkwagen der ersten Generation ein. Bei der Straßenbahn begann der Einsatz 1976 mit drei Wagen, der zweiten Generation. Für den Stadtverkehr wurden 19 Gelenkbusse mit den Nummern 50-59, und durch Umsetzung aus Berlin die Nummern 61-71 beschafft.
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Mercedes Seitenanfang

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Mercedes - Bus - Fahrzeuge

Seit 1990 wurden die Ikarusbusse dann relativ schnell von aus der Partnerstadt Wiesbaden bereitgestellten gebrauchten Mercedes-Bussen vom Typ O305 und O305G (Gelenkbus) abgelöst. Alle Fahrzeuge kamen komplett oder teilweise in die Partnerstadt Zgorzelec und wurden dort auch eingesetzt. Ab Frühjahr 1992 kamen dann die ersten fabrikneuen Mercedes-Busse vom Typ O405 mit den Nummern 1 - 9; sowie O405G (Gelenkbus) mit den Nummern 10 - 13 zum Einsatz. Der letzte Wiesbadener Bus wurde am 21. Juli 1998 wieder in die Partnerstadt verabschiedet, wo er einen Platz im Fahrzeugmuseum der Stadtwerke erhalten sollte. Der erste Niederflurbus vom Typ Mercedes O405GN wurde im Juli 1999 feierlich vor dem Görlitzer Rathaus präsentiert. Dieser Bus mit der Nummer 14 (514) ist noch bis zum heutigen Tage im Einsatz im Gegensatz zu seinen Vorgängertypen, welche seit 2002 durch moderne Niederflurfahrzeuge des Typs Mercedes O530 Citaro mit den Nummern 505,507,516,517 und O560-Gelenkbus Citaro mit den Nummern 515 und 518 abgelöst werden bzw. schon abgelöst worden sind. Des weiteren gab es auch noch einen Einzelgänger, einen Mercedes Kleinbus von Typ Team-Star 814/42, welcher bei Sonderfahrten oder im SEV auf Kurzstrecken zum Einsatz kam. Dieser Bus ist aber bereits wieder verkauft worden.
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Nachkriegszeit Seitenanfang

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Straßenbahnfahrzeuge nach dem Krieg

Nach Kriegsende herrschte wie überall in Deutschland auch in Görlitz das Chaos. Das öffentliche Leben war weitgehend lahmgelegt. Durch die Sprengung der Neißebrücken und die Stilllegung der Straßenbahnlinien befand sich auch das Verkehrsnetz in trostlosem Zustand. Nach Artillerietreffern am Jakobstunnel und an der Jakobuskirche waren einige Abschnitte unbefahrbar.

In dieser schier ausweglosen Lage begannen am 2. Juni 1945 acht Mitarbeiter mit den Aufräumarbeiten sowie mit erforderlichen Reparaturen an den Strecken und Fahrzeugen. Kurz darauf waren zwei Linien mit jeweils zwei Solotriebwagen im 20-Minuten-Takt wieder in Betrieb. Linie 1 im Abschnitt Schützenhaus - Demianiplatz und Linie 2 zwischen Büchtemannstraße und Stadthalle. Für die rasche Normalisierung sorget unter anderem der weitgehend zweigleisige Ausbau der Strecken im Stadtzentrum, und ab Juli 1945 konnten bereits wieder Züge mit Beiwagen zwischen Rauschwalde und Weinhübel bzw. Landeskrone und Stadthalle fahren.

Die Fahrzeuge befanden sich damals in keinem guten Zustand. Defekte Scheiben wurden zum Teil mit Hartfaserplatten provisorisch verschlossen, Teile der Außenbleche mit entfernter Werbung nur soviel überstrichen wie unbedingt erforderlich war, was sogar soweit ging, dass mit dem altersbedingtem Nachdunkeln des Originalanstriches diese Flächen in leicht bräunlichem Farbton ebenfalls überlackiert wurde.

Dabei konnten in den ersten Wochen ja nur wenige Fahrzeuge eingesetzt werden, weil es unmäglich war, rasch die zahlreichen verschlissenen Baugruppen und Teile zu beschaffen oder zu überholen. Ohne zu  übertreiben darf man heute sagen, dass in jenen Wochen das scheinbar Unmägliche möglich gemacht und der Grundstein für eine neue Blüte der Görlitzer Straßenbahn gelegt wurde, die ein Stiefkind der Görlitzer war  und trotzdem für die meisten eine Selbstverständlichkeit ist, die man sich nur schwer wegdenken könnte.

Ab Mitte der fünfziger Jahre kamen mit den LOWA-Einheitszweiachsern nach mehr als 25 Jahren erstmals fabrikneue Fahrzeuge auf die Schienen der Stadt. In den folgenden Jahren verdrängten sie und auch die Nachfolgertypen der Gotha-Einheitsbauart nach und nach die übrigen, zum Teil erheblich verschlissenen Fahrzeugtypen aus dem Straßenbild.

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Bahnfilmstadt Seitenanfang

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Filmstadt

Nicht erst seit dem Jahr 2008 - Dreharbeiten zum Film "Der Vorleser"- spielt die Straßenbahn in Görlitz bei Filmaufnahmen eine Hauptrolle.
Bereits in den Jahren 1985 und 1992 waren die Bahnen aus Görlitz und Bad Schandau sowie historische Busse aus Berlin ein beliebtes Requisit, um die Filmszenen mit einem großstädtischen Flair zu untersetzen.

Dass Görlitz für viele in- und ausländische Filmproduktionen vielfach auserkoren wurde, liegt ganz einfach an der im Innenstadtbereich komplett erhaltenen Bausubstanz. Von Kriegszerstörungen blieb Görlitz weitestgehend verschont und die geplante Abrisswut unserer damaligen Stadtväter (Heilige-Grab-Straße, Pontestrasse und Grüner Graben bis zur Sonnenstraße) konnte mit der politischen Wende 1989/90 gestoppt werden.

Insbesondere das Gebäudeensemble am Demianiplatz mit dem Kaufhaus und der Straßenbahnhaltestelle war und ist ein beliebtes Filmmotiv. Hier können Szenen mit dem Gewusel einer Großstadt gedreht werden. Das Kaufhaus ist übrigens in Deutschland der einzige, ohne Modernisierung und Umbauten, im Originalzustand erhaltene Bau deutscher Warenhausarchitektur und somit ein besonderes architektonisches Kleinod unserer Heimatstadt.

Nun zum Film und den Straßenbahnen.

1985 hatten Straßenbahnen aus Görlitz und dem Kirnitzschtal ihren ersten grossen Auftritt: Anlässlich des 100. Geburtstages Ernst Thälmanns wurde ein zweiteiliger DEFA-Film über sein Leben gedreht. Dieser Film soll 20 Millionen Mark der DDR und zusätzlich 20 Millionen DM gekostet haben (Quelle: Internetseite eines damals Beteiligten). So wurden extra in der BRD moderne Kameras und das dazu passende Filmmaterial von Kodak gekauft, um den Film in der gewünschten Qualität produzieren zu können.

Sieben Jahre später wurde wieder in Görlitz gedreht.

Der romantische Film "Rosen-Emil" ist eine bitter-süsse Liebesgeschichte, die im Berlin der Jahrhundertwende spielt. 1903 trifft der charmante, aber erfolglose Hausierer Emil die ungekrönte Kornigin der Vorstadtnutten, die Polenliese aus der Lothringer Straße.
Weil er Blumen so liebt, nennt sie ihn "Rosen-Emil". Bald wird er durch sie zum König der Vorstadtganoven. Er setzt seine im gutbürgerlichen Turnverein erworbenen Kletterkuenste jetzt gewinn-bringend bei Einbrüchen ein. (Quelle: Senator-Verleihprogramm)

Für diesen Film bekam der Görlitzer Oldtimer Nr. 29 kurzzeitig das Berliner Outfit und einen Stromabnehmer aus der damaligen Zeit. Weiterhin kamen Pferdeomnibusse, die nach Berliner Vorbild neu gebaut wurden, zum Einsatz.
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Pferdebahnwagen Seitenanfang

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Pferdebahnwagen

Im Jahre 2002 wurde der relativ gut erhaltene Rest eines als Gartenlaube genutzten  Original - Pferdebahnwagens der Görlitzer Pferdebahn (1882-1897) geborgen.  Die "Untere Denkmalschutzbehörde" der Stadt Görlitz  übernahm die Bergung und Unterstellung des Wagens. Sie ist nun auch der  Eigentümer. Vorerst herschte eine Weile Ruhe um den Wagen.  Danach wurde der Wagen durch die Firma BMS in die eigene Werkstatt nach Ostritz gebracht. Hier erfolgte ein originalgetreuer Neuaufbau unter Verwendung von Altteilen. Rund sieben Jahre nach der Rettung zeigt sich stolz ein Fahrzeug aus Zeiten der Pferdebahn, das von 1882 bis 1897 in Görlitz verkehrte.
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